Die Runde der Dummen

ZUR SENDUNDUNG „Menschen bei Maischberger“, vom 11. September 2007, 22:45, ARD

Zuerst möchte ich zugeben: Das letzte Mal habe ich „Menschen bei Maischberger“ gesehen, als ein offensichtlich zugedröhnter Ex-DDR-Schlittschuhläufer felsenfest behauptete, es hätte kein Doping im DDR-Sport gegeben und Stasi-Spitzel gab’s natürlich auch nicht. Dabei guckte er nicht nur leidend, sondern auch absolut heroinschwanger in die Kameras. Der Name dieses Mannes ist mir leider entfallen, aber irgendwie signalisierte mir die damalige Runde: Sandra Maischberger ist schon lange nicht mehr bei n-tv, die guten Interviews sind vorbei und jetzt sitzt man eben in beige-gelben Ikea-Sesseln vor einer Mauer-Imitat-Studio-Wand und redet dummes Zeug oder wenigstens über dummes Zeug.
An dieser Stelle sollte man schwer ausatmen und ein kurzes, schulterzuckendes „Whatever“ gen Himmel schicken und sich trollen. Ich hätte das so tun sollen. Hab’ ich leider nicht.
In den letzten Tagen dann, schaltete ich wieder hinein, in die Talkshows des ersten Deutschen Fernsehens. Zuerst, weil ich dachte, vielleicht mal wieder etwas Qualität zu finden. Ich wollte jemanden reden hören, der nicht absolut hirnverbrannt vor sich hin brabbelt. Also genau das nicht tut, wonach sich die gesamte Fernsehlandschaft anhört. Und tada: Ich fand so eine Runde. Vor mehr als einer Woche, Sonntagnacht, ARD, nachtstudio. Nicht gerade ein sympathischer Sendeplatz, aber immerhin gab es hier einen ehemaligen Redenschreiber von Willy Brandt, den Kultur-Ressortleiter des SPIEGELS und noch ein paar andere Leute, die mit einem kauzigen Moderator über die Zeitschriftenkultur im eigenen Land und auch in Übersee stritten. Nett war das … das war aber auch alles! Als ich mir sogleich am Montag den SPIEGEL kaufe, werde ich wieder enttäuscht! Kultur-Fuzzi vom Dienst, Matthias Matussek (SPIEGEL Redakteur), hatte in der Nacht vom Sonntag auf Montag noch so glorreich von sich, vom SPIEGEL und der großen Qualität gesprochen. Davon, dass er ein ja soo witzigen Video-Blog im Internet hätte. Nachdem ich seinen Deutschaufsatz zu „Romantik. Eine deutsche Affäre“ (Rüdiger Safranski) im Kulturteil las, wollte ich nicht mal mehr den Video-Blog sehen und meine Fertig- Spaghetti kamen mir auch noch hoch. Selten hab’ ich so ausgehöhlte Berichterstattung gelesen. Eigentlich war es mehr eine Zusammenfassung, sozusagen ein längerer Klappentext zum besprochenen Buch. Besprochen wurde allerdings auch wirklich nur jedes Vorurteil, welches Matussek sich so aus den selbstgeilen Fingern saugen konnte. Was den Spiegel sonst anging war ich mehr oder weniger ernüchtert: Vor ein paar Jahren noch, las ich gerne die Artikel über deutsche und internationale Politik. Mittlerweile werden diese Artikel nach Schema F, dem Schema für wir-berichten-über-eine-Person-und-flechten-ein-paar-Allgemeinplätze-mit-ein, gewoben. Kein Feuer, kein gar nichts. Dröge Zeitschrift kann man da sagen. Und in den großen super-sonder- Reportagen? (In diesem Fall der Aufmacher über die „Bio-Welle“): Noch mehr Allgemeinplätze, Vorurteile, bittere Formulierungen und das ewig gleiche Rauschen im Wald. Dann doch lieber die zehntausendste Aufmacher-Überschrift zum zweiten Weltkrieg. Solche Reportagen kriegen sie wenigstens hin, die Jungs vom SPIEGEL.
Das Fernsehen wollte ich, nach dem nachtstudio, nun aber trotzdem für mich zurückgewinnen. Auf Wiederentdeckungstour, erschien mir das Warten auf Anne Will und ihre gleichnamige Sabine Christiansen Kolportage eine gute Idee. Aber dann packte mich der Eifer: Zu neugierig, zu wissensdurstig zappte ich vorschnell in das Abend- und Nachtprogramm.
Zum Beispiel sah ich mir die zweiteilige RAF-Dokumentation von Stefan Aust an. Und auch, ganz der artig Zuschauer und Konsument von Progamminformationen, die Beckmann-Talkrunde im Anschluss an den zweiten Teil am 10. September.
Dort ereignete sich der erste, kleine Supergau einer Talkshow: Die eigentlich zu erwatenden, so kontrastreich eingeladenen Figuren Stefan Aust (Chefredakteur DER SPIEGEL) und Günter Beckstein (Bayrischer Innenminister und mittlerweile designierter Stoiber-Nachfolger) waren sich einig. Ja, sie stimmten einander zu. Und nicht nur einmal. Es war wie ein Kanon, eine zweistimmige Arie. Ein Duett!
Ich traute meinen Augen nicht: Das kann nicht ihr Ernst sein. Wo blieb die Diskussion? Warum hatte ich sonst eingeschaltet? Wenn ich einander zustimmende Menschen sehen will, dann guck ich mir doch die Super-Nanny oder Kerner an.
Aber doch nicht hier und nicht der Aust.
Stefan Aust, mittlerweile größtenteils mit dem Ausverkauf seines Lebenswerkes über die RAF beschäftigt, dreht zuerst eine Bullshit-Langweil-ewig-die-gleiche-Leier-Dokumentation für die ARD. Eine Dokumentation, die selbst Jörg Schleyer, der Sohn des ermordeten Hanns Martin Schleyer, als absolut langweilig und ohne Nährwert oder mit auch nur irgendwelchen neuen Erkenntnissen gespickt bezeichnet. Dann setzt sich Aust auch noch zu Beckmann und verliert dort so sein Gesicht, dass der Kuscheltalker Beckmann gegen ihn wie ein beinharter, investigativer Journalist aussieht. Beckmann! Beckmann, zu dem sonst nur Gäste kommen, weil alle wissen: Wenn einer keine konkreten Fragen zu umständlichen oder problematischen Antworten stellt, dann er.
Aber hier dominiert er weichgespült sogar über den Mann, der einst mein Weltbild mit dem Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ veränderte.
Wer war das dort? Er sah doch aus wie der schlaue Kopf aus den Spiegel TV-Sendungen.
Hat er zu lange mit Jürgen-Peter Boock rumgehangen. Boock, der Vorzeige-Schuldige aus der RAF? Aber nein, Aust distanziert sich von Boock. Komisch das er trotzdem dessen gefühllose Schilderungen für bare Münze nimmt. Boock habe ich übrigens der Tage auch bei einer, auf n-tv ausgestrahlten, englischen Dokumentation über die RAF gesehen. Diesmal erklärte Boock, sprachgewandt auf Englisch und nachher synchronisiert, wie das so ablief mit Schleyer und der Landshut.
Natürlich steht es Boock frei aus seinen einstigen Verbrechen, für die er im Knast saß, Kapital zu schlagen, nicht nur in Deutschland. Aber muss n-tv dann so was auch noch senden? Reicht es nicht, dass Aust ihn in seiner Dokumentation im Spielfilmstil wie ein verschrobener Scorsese in geplanten Kameraeinstellungen über Friedhöfe laufen lässt. Gestellt-gespielt trat dort am Sonntagabend Peter-Jürgen Boock ans Baader-Grab und wurde in einer gleitenden Kamerafahrt andächtig aufgenommen. (Es muss ja nicht immer Handkamera bei einer Dokumentation sein, aber bitte auch nicht so!) Danach ging es am Montagabend im zweiten Teil mit dem Auto in den Wald. Dort wo Boocks Mittäter Schleyer hinrichteten. Alles in bester Kinomanier und tragisch mit Musik untermalt. Was auch immer deutsche Dokumentarfilmer dem Meinungsmacher Michael Moore vorwerfen: Mit ihren Schmuddel-Betroffenheits-Dokus sind sie ihm im Gefühle-provozieren weit voraus!
Außerdem: Immer die gleichen Gesichter im Deutschen Fernsehen. Damit meine ich nicht nur die C-Promis in 70er-Revival-Shows.
Peter-Jürgen Boock geht einem ja schon beinahe so auf die Nerven, wie Egon Bahr, der wie ein gieriger Star Trek-Fan scheinbar jede Dokumentation über Willy Brandt aufstöbert und zu allem auch noch seinen Senf dazugibt, weil er den Guten ja kannte und weil früher ja so viel besser war und weil sowieso alles heute ja nur Mist ist.
Jedenfalls beim letzten Punkt, merkt man beim gucken der letzten Maischberger-Sendung, hat Bahr recht: Unter dem Tagesordnungspunkt „Terror“ versammeln sich Wolfgang Schäuble, den irgendein Irrer doch tatsächlich zum Innenminister gemacht hat (Manchmal vergisst man im Strudel der Bundespolitik solche ironischen Seitenhiebe der großen Koalition doch tatsächlich.), und auch Daniel Cohn-Bendit, Fraktionsvorsitzender der Grünen im EU-Parlament, und – immerhin – der Namenspatron meines eigenen, zweiten Vornamens. Das ich ab diesem Dienstagabend bis in alle Ewigkeit darüber nicht mehr froh bin … dazu komme ich gleich.
Was für Cohn-Bendit spricht: Der Junge kannte Jean-Paul Sartre. Das klingt schon mal cool.
Sartre hat natürlich auch viel daneben gegriffen, aber – im Gegensatz zu Cohn-Bendit – sich bei aller Scheußlichkeit immerhin so früh verabschiedet, dass er nie auf beigen Ikea-Möbeln in der ARD sitzen musste.
Neben Cohn-Bendit, Wolfgang Schäuble und natürlich Sandra Maischberger saßen noch weitere Gäste im Studio. Deren Namen habe ich, wie einst den Namen eines DDR-Schlittschuhjungen, auch sofort wieder vergessen. Was allerdings hängen blieb, war die Tatsache dass es Zivilisten waren. Sozusagen normale Bürger. Natürlich mit Bezug zum Thema: Eine ältere Frau hatte ihren Sohn beim Terroranschlag auf Bali 2002 verloren und ein kräftiger Mann seine Schwester am elften September vor sechs Jahren. Dann gab es da noch die Exfreundin oder Exehefrau des einst meistgesuchten Mannes der Welt: Des Terroristen Carlos. Diese „Ex“ wurde allerdings so spät dazu gerufen, sie bekam von der wirklich peinlichen Phase bei Maischberger nur noch die unterkühlten Ausläufer mit.
Kongenial war kurz vorher das Manöver des kräftigen Normalbürger-Gastes Wolfgang Schäuble gegenüber: Mit wenigen und recht ungelenken Worten lockte der Mann den Innenminister so aus der Reserve, dass Schäuble zuerst in Stottern und dann ins Lauterwerden geriet. Schließlich ging es um die von ihm „betont nicht“ geforderte Konvertiten-Datenbank, die gerade vor dem Hintergrund der kürzlich gefassten Konvertiten-Terroristen in Deutschland als präventive Maßnahme zur Terrorbekämpfung eingeführt werden könnte. Der Normalbürger meinte mit vier aufeinander folgenden Tauchurlauben in Ägypten in ein Raster als ständig ins Ausland wechselnder Terroranwärter zu geraten und warnte vor jeglicher Karteiführung. Vorher hatte der Normalbürger zwar noch gesagt, dass man in diesem unserem Land schlecht bis eigentlich gar nicht voran käme, zu vier Tauchurlauben in Ägypten schien es aber doch zu reichen. Vom Tauchurlaub ging es dann gleich weiter zu Autounfällen und einem ziemlich gewagten Vergleich, dass man – wenn man als Bundesregierung denn wollte – doch die 80000 Autounfälle im Jahr verhindern könnte und genauso den Terror!
Das klingt erstmal gut, besonders auffällig beim Normalbürger war, wie wahrscheinlich bei vielen Anderen, die Annahme, dass nur die politische Elite unseres Landes etwas gegen Hoffnungslosigkeit in moslemischen Staaten tun könne. Diese Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit ist, so der Normalbürger im Einverständnis mit dem gros der Deutschen, der eigentliche Grund für Terrorismus gegen den und im Westen.
Etwas kurz gedacht, aber scheinbar symptomatisch. Das der Normalbürger mit jedem gekauften Liter Öl, jedem bei H&M erstandenen Pullover aus Bangladesh und jedem Tauchurlaub in Ägypten an Hoffnungslosigkeit und der Vernichtung von Perspektiven beteiligt ist, kam ihm nicht in den Sinn. (Kommen wir zu einem kurzen Ausflug meinerseits.)
Unser Überleben in Konsum und freiheitlicher Demokratie wird auf der einen Seite durch Kredite und Geld aus den reichen Ölstaaten mit entweder despotischen Herrschern oder zweifelhaften Demokratien gestützt. Auf der anderen Seite ermöglichen billige Produkte aus aller Welt (vor allem der Dritten) den stetigen Konsum. So gesehen werkeln wir alle, nicht nur die politische Elite, am Terrorismus mit. Wenn wir es in einem einfach Schema betrachten. Der Terrorismus kostet allerdings ebenfalls Geld. Man muss, eben neben einem Teppichmesser, auch ein Flugticket für Übersee kaufen um eine Lufthansamaschine zu entführen. Man braucht Vorbereitung, Zeit und Einfluss. Flasche Pässe, Informanten und ein gut funktionierendes Netzwerk. Nur in einer Hütte und mit einem Lama lässt sich auch kein Semtex H oder C4 kaufen, mit dem dann einen Bus beladen wird, der dann in eine amerikanische Militärbasis oder eine englische Botschaft steuert.
Und wo kommt das Geld für Terrorismus her? Wenn ich das mal wüsste.
Am Ende sind es eben auch Interessenverbände.
Selbst für den Terror gegen Deutschland gibt es eine Lobby.
Aber dies sind nur Spekulationen und meine ganz eigene Theorie der Welt.
Zurück zu Maischberger: Interessant wurde es nicht, aber laut.
Nachdem es zuerst so ausgesehen hatte, als kämen Cohn-Bendit und Schäuble nun gar nicht mehr zusammen und sich der Innenminister auf einer Seite für Pauschalisierungen und die Rettung und den Schutz Deutschlands, vor allen Gefahren, Terroristen und bestimmt auch vor Fahrraddieben, einsetzte und der EU-Parlamentarier der Grünen dagegen immer wieder die weit schwingende aber allzu langweilig klingende Keule der Differenzierung warf, gab es dann doch einen gemeinsamen Feind für die beiden Politiker: Terroristen.
Etwas zu tun, sei ihre Aufgabe, skandierten Schäuble und Cohn-Bendit wie aus einer Kehle. Ihr Ziel war die Akzeptanz beim Wähler, also beim Normalbürger. Der allerdings war schon viel weiter: Neben den Gründen für Terrorismus, die in Hoffnungslosigkeit bei deutschen Politikern lagen, erkannte er auch die Unmöglichkeit der politischen Einflussnahme durch sich selbst. „Kein Politikinteresse“, verkündete er. Er, genauso wie – eigenen Schätzungen zufolge – 79,5 Millionen andere Deutsche, nehmen nicht Teil an Entscheidungsprozessen die sich in irgendeiner Art auf Terrorvermeidung oder –bekämpfung auswirken.
Das er lediglich 40 Millionen der Deutschen brauchen würde um eine starke Mehrheit zu formen um, beispielsweise, Verfassungsänderungen wie Direktwahlen herbeizuführen oder seine eigene Partei an die Spitze und sich ins Kanzleramt zu heben, hatte ihm wohl keiner gesagt.
Später ordnete sich Sandra Maischberger dann selbst noch einmal ganz Vorne in die Runde der Dummen ein, womit nicht ihre tatsächliche sondern nur ihre präsentierte Intelligenz bewertet werden soll: Sie zog den Bogen von islamischen und fundamentalistischen Terrorismus gegen den Westen über den anwesenden Daniel Cohn-Bendit, einen so genannten Alt-Achtzundsechziger und Sympathisanten der RAF, zur aktuell wieder diskutierten und aufgearbeiteten Vergangenheit und dem deutschen Terrorismus der Roten Armee Fraktion.
Die gutbürgerliche Herkunft der einstigen, deutschen Terroristen mit Hass auf ihre so genannte Nazi-Väter-Generation und den tatsächlichen, terroristischen Kulturkampf nach Huntington (siehe Samuel Huntington „Kampf der Kultur“) im modernen Kleid einer globalisierten Welt, wurde dabei geflissentlich übergangen. Cohn-Bendit schoss aber trotzdem den Vogel ab und meinte, der RAF wäre es ja nur um den Angriff auf eine ganz bestimmte, kleine Gruppe von Deutschen gegangen: Den Deutschen mit Einfluss. Als wäre das nicht schlimm genug! Zwar nahm er schnell die Landshut-Entführung als Bestätigung der sonstigen Attentats-Entführungs-Regel der RAF heraus, aber war sich wohl nicht gewahr, dass durch Bombenattentate und Schusswechsel in der Öffentlichkeit, sehr wohl von den Mitgliedern der RAF Verluste in jeder Schicht der Bevölkerung billigend in Kauf genommen wurden.
Letztlich fragte Maischberger natürlich noch nach Cohn-Bendits Begleitung von Jean-Paul Sartre beim Besuch von Andreas Baader in Stammheim. Ein breites Grinsen war auf Wolfgang Schäubles Gesicht zu sehen, als Cohn-Bendit sich versucht mit der Rolle des Vermittlers zu erklären.
So endete die Runde der Dummen. Alle waren blöd. Einfacher kann man es nicht machen!
Langsam sollte sich die ARD mal Gedanken machen, womit man noch in die Zukunft will. Scheinbar gibt es niemanden mehr, der ordentliche Gespräche führen kann. Und wenn es solche Gespräche gibt, dann Sonntagnacht. Anne Will, wir hoffen auf dich!
Neben den Talkshows sieht es nämlich nicht besser aus:
Thomas Gottschalk lädt sich bei Wetten dass..?? profiliersüchtige pseudo-Komiker wie Markus-Maria Herbst ein, die entweder so nervös oder so beschränkt sind, dass sie keinen geraden Satz rauskriegen, nur grinsen und sich selbst – peinlicherweise – in den Himmel loben (Fremdcharme im großen Stil!). Außerdem werden internationale Gäste in den Gottschalkschen Fängen so miserable behandelt, dass man sich fragt: Wieso sollte, wie einst, eine Band wie Take That ihr letztes Konzert bei Wetten dass…?? geben? Guckt doch niemand.
Wenn man nämlich John Travolta und Ray Liota neben deutsche B-prominente Busenwunder setzt und dann auch noch die falschen oder schlecht recherchierten Fragen stellt ohne eine Antwort abzuwarten, dann geschieht einem doch Haribo-Werbung bis zur Stunde Null ganz recht.
Andere „Showevents“, wie sie ja gerne heißen, glänzen mit dilettantischer Regie oder einem verdatterten Frank Elstern. Neulich bei der „großen Show der Naturwunder“ oder wie das Ding hieß, ist Elstner doch tatsächlich meinem ehemaligen Lieblings-Welt-Erklärer Ranga Yogishwa, so tief in den Anus geklettert, dass man sich vor Scham die Fernbedienung in die Augenhöhlen meißeln wollte. Dazu noch fahrige Überblendungen und allenfalls tangierte Themen, sowie ein verkorkstes Spielsystem ohne System und eine Prominentencrew, die nicht wirklich prominent war – bis auf Germanys Next Topmodel Lena Irgendwas vielleicht, die vom Kameraschieber aber so gierig abgefahren wurde, dass man am liebsten ein Kondom über den Bildschirm gezogen hätte: Ein totaler Reinfall. Und nur grau gestrumpfte Omas in der ersten Reihe!
Aber was schimpfe ich über die Öffentlichrechtlichen: Der unglaublich groß angekündigte Terragona-TV-Film von RTL sieht aus wie die Camper ohne Witz und viel zu lang. Der nett abgeknipste Vierteiler Zodiak wirkt in einigen Passagen wie von Dreijährigen mit Hilfe eines Buchstaben-Setzkastens geschrieben und Pro 7-Zugpferd Stefan Raab kriegt nicht mal mehr Lacher vom gekauften Studio-Publikum … sollte das Publikum nicht gekauft sein, sondern Eintritt für die Scheiße bezahlen: Entschuldige ich mich und hoffe das die Zivildienstleistenden die wissen wo sie ihre schutzbefohlenen Geistigbehinderten abliefern.
Ich möchte hier zum Abschluss nicht über die Ausreise-Sendungen, Kochshows mit betrunkenem Jan Fedder oder dem riesigen Wust an Doku-Soaps, die jede noch so kleine Kleinigkeit als „Competition“ verkaufen, reden. Dazu bleibt noch genug Zeit.
Zeit wird es auch, dass sich daran was ändert!
Wie oft kann man schon „Mein neues Leben XXL“ ausstrahlen, bevor die Leute freiwillig zum Islam konvertieren, die Aufnahme in die Konvertiten-Datei billigend in Kauf nehmen, nur um einen Hoffnungslos-Perspektivlos-Anschlag gegen das VOX-Hauptquartier zu begehen? Man kann auch kaum Geld für DVDs mit „Born to cook“ verlangen. (Tut man es trotzdem hoffe ich auf Morddrohungen und Attentatsversuche!)
Übrigens: Sat 1 hat jetzt seine Nachrichten-Redaktion abgebaut. Ein guter Schritt.
Weniger Bildung = Dümmeres Publikum = Gesenkter Anspruch = Alles kann gesendet werden = Blitz in der Dauerschleife!
Sollte es soweit kommen, weiß ich jedenfalls was ich tue: Ich begehe Selbstmord.
Nein, kein Selbstmordattentat, denn so geltungssüchtig bin ich nicht. Nein, ich nehme einfach die letzte Folge Menschen bei Maischberger und drücke die Taste für Dauerschleife auf dem DVD-Recorder. Bei dieser Runde der Dummen, beginne ich schon nach der zweiten Wiederholung mir die Birne am Küchenschrank blutig zu schlagen.
Wo ist eigentlich Harald Schmidt, frage ich mich in solchen Momenten immer. Dann fällt es mir wieder ein: Er hat Oliver Pocher zu seinem Nachfolger gemacht.
Da mach’ ich mich doch gleich mal auf den Weg in die Küche.
Good Night and good luck!

Laizismus, der

but here we are my dear
the world – it seems so cruel
and we are dancin‘ until the music stops

In früheren Zeiten opferten die Menschen zu jeder Gelegenheit.
Wirklich. Zu jeder Gelegenheit. Wenn die Ernte schlecht war: Zack! Rein in den Tempel, drei Gulden in den Opferstock geworfen und Peng! Morgen regnete es.
Dumm war dann nur, wenn ein Jüngling zuvor fünf Gulden für gutes Wetter geopfert hatte, weil er mit seiner Umworbenen am Vormittag rauf auf die Alm und dort dann so richtig … naja:
Es muss ein ziemliches Kreuz gewesen sein, zu dieser Zeit ein Gott … und wie entscheidet man dann so etwas? Geht man nach der Bezahlung, beziehungsweise dem Opfer? Aber dann kriegt man von den anderen Göttern wieder vorgehalten, man sei bestechlich. Beim Regen sind doch wirklich existenzielle Nöte betroffen: Da stirbt dann gleich eine ganze Familie … aber vielleicht zeugen Jüngling und Umworbene ja einen großen Reformer und der Reformer ermöglicht dann den Bau eines Kornspeichers, der dann wiederum Allen in der Region das Leben … ja,ja: Es war schon nicht einfach.
Einige Menschen opferten sogar Gulden für die körperliche Beschaffenheit ihrer Nachkommen – sprich: Sie wollten das die Jungs mächtig stark und gut bestückt und die Mädchen nicht zu hässlich und ein gebärfreudiges Becken … Das mit den Jungs ist klar: Feldarbeit und reich heiraten. Die Mädchen mussten gut aussehen und viele Kinder zeugen, damit die Familie nicht ausstirbt …
Heute wäre das wieder von Vorteil. Bevor diese ganze „Jeder macht Karriere“ Idee aufkam, zeugten wir bis zu 4 Kinder pro Familie … Nachwuchs und Renten gesichert! Peng!
Aber jetzt … nicht das ich was gegen Frauen und Karriere hätte. Nein, wirklich nicht:
Ich hab sogar neulich bei Neun Live angerufen … ja, ja, ja.
Nein. Die Moderatorin war nicht nackt. Es war Sonntagnachmittag. Ich schalte so durch die Programme, plötzlich: 1500 Euro und ein Plasma-Fernseher. Eigentlich war ich schon zwei Sender weiter, bevor ich realisierte … Plasma? Ja, Plasma.
Also zurück. Und da steht es … und das Rätsel scheint auch ganz einfach: Wenn fünf Ochsen in einer Stunde fünf Liter Milch geben, wieviel Milch geben dann zehn Ochsen in einer Stunde?
Soll das ein Witz sein? Nein. Logisch. Ochsen geben keine Milch.
Hätte ich früher gelebt, hätte ich einfach fünf Gulden geopfert … Peng! Und schon gibt der Ochse Milch … tut ja niemandem weh. Aber Heute: Da hab ich dann wieder die ganze Zucht-Bullen-Industrie am Hacken!
Also ran ans Telefon: 49 Cent pro Anruf scheinen gut angelegt. Die nette Karriere-Frau auf dem Bildschirm zählt auch schon runter. Wahrscheinlich denkt sie: Da rufen doch wieder nur Doofies an … aber nicht mit mir. Ich bin schlau, habe Abitur und studiere. Natürlich hab‘ ich die Abzocke durchschaut. An mir verdienen die nur 49 Cent pro Anruf und dann krieg‘ ich „Plasma“ und 1500 Eier!
Schnell die Nummer eingetippt, kurz gewartet. Karriere-Frau sagt: drei, zwei – gedrückt, Schnellwahl und … Leitung zwölf, leider verloren.
Wütend, hauptsächlich auf die Karriere-Frau, unterbreche ich die Verbindung. Kurz kämpfe ich mit mir … „Noch ein Versuch?“ … nein. War beim ersten Mal schon blöd. Wäre ich doch nie aus der WG ausgezogen. Da hätte man mir das Telefon schon weggenommen. Hach.
Doofe Karriere-Frau im Verkaufsfernsehen: Du hast mir den Nachmittag versaut.
Aber mal ehrlich: Plasma! Was für ein Wort. Plasma-TV!
Wenn man Wiki befragt, ist Plasma in der Physik der Aggregatzustand von ionisiertem Gas.
Außerdem: 99% aller Materie im Universum existiert in diesem Zustand.
Ha! Also ist Plasma eigentlich so stinknormal wie diese braun-grauen Flecken die irgendwann einfach unter weißen Socken auftauchen. So normal wie gelbe Ränder an weißen Ikea-Duschvorhängen. So normal wie das Schalke nicht Meister wird und das Norbert Blüm nie beim Hochsprung was reißen wird. Im Grunde ist Plasma wie diese „toilet.cam“-Poster auf WG-Toiletten oder wie Senf im Kühlschrank. Immer da. Stinknormal. Und ich schalte deswegen zurück. Phhh!
Vielleicht sollte ich gleich nächsten Samstag zu Media Markt gehen, einen dicken Filzstift mitnehmen und aus dem Plasma-TV-Schilderwald eine Symphonie der „Stinknormal-TV“s oder „gibt’s schon lange TV“s oder „völlig banal TV“s machen!
Zurück zu Neun Live und der Karriere-Frau: Hat da schon mal jemand was gewonnen?
Ich meine das ganz ehrlich … wie soll man das kontrollieren? Gibt es eine Glücksspielkomissionsunterabteilung die den ganzen Tag Fernsehratesendungen sieht und auch überprüft das Helga Herbig nach vier Anläufen und ner halben Stunde fünf Ochsen und zehn Liter Milch endlich 1500 Euro und einen „alles schon gesehen“-TV gewonnen hat?
Früher wäre das ganz einfach gewesen: Einfach fünf Gulden geopfert … schon gewinnt man auch bei Neun Live.
Es gibt ja auch Mädels die ein Kind von Mark Medlock wollen, oder?
Zusammenhang nicht verstanden? Tja … geht gleich weiter: Man schafft es ja auch nicht mit nur einer Blasenfüllung Polykontexturalität gelb in den Schnee zu schreiben.
Wer das hinkriegt, der kann auch fliegen.
Wo wir gerade bei Levitation sind: Neulich ist ein Mann aus dem siebzehnten Stockwerk eines Hauses in Shanghai gesprungen und hat den Aufprall überlebt. Als er aus der Narkose aufwachte, fehlten ihm beide Arme und ein Bein. Er wird außerdem nie wieder sprechen können und niemand glaubt das er überhaupt noch was durch das verbliebene Auge erkennt.
Die Welt ist doch beschissen: Da hät‘ ich ihn doch aufgekratzt, wäre nochmal drei Stockwerke nach Oben gelaufen und hätte ihm die drei restlichen Etagen geschenkt.
Ich hab‘ noch nie gehört das jemand einen Sprung über die Distanz von zwanzig Stockwerken überlebt hat.
Wer das zu krass findet: Einem koreanischen Mädchen wurde von der Staatsräson die Hand wegen Beleidigung abgehackt. Sie hatte ihren Mann gebeten doch auch mal den Tisch abzuräumen.
Das dass mit der Hand nicht der geschickteste Schachzug war, hat man sich wohl erst hinterher überlegt …
Da sind wir auch schon wieder bei den Karriere-Frauen: Aber noch einen kurzen Moment!
Schon mal jemand daran gedacht wie es wäre heutzutage fünf Gulden für ein gebärfreudiges Becken der Tochter zu opfern? Was, wenn die Tochter dann auch eine Karriere-Frau wird um am Sonntagnachmittag bei Neun Live arbeitet? Dann muss ich auf die sechs Plagen aufpassen … als guter Großvater.
Außerdem: Wie komme ich im Vorfeld an fünf Gulden und wo finde ich einen Opferstock? Die Kollekte ist doch wieder nur für ein neues Kirchendach … da können die doch einfach fünf Gulden opfern, hm?
Jetzt mal zum Genitiv-Greis und zu den Karriere-Frauen: Karriere-Frauen arbeiten natürlich nicht bei Neun Live … obwohl sich jetzt wahrscheinlich wieder viele Frauen beschweren werden. Jedenfalls ist VOR der Kamera bei Neun Live nicht die steilste Karriere … obwohl: Vorher bei TVB im Nachtprogramm … ach! Es ist einfach zu blöd. Immer diese „obwohl“ und diese „oder auch“ und die „aber“ heutzutage. Zu Opferstock- und Gulden-Zeiten gab es da noch nicht so viele. Entweder: Regen oder Sonne. Jüngling oder Ernte. Heute spielen ja alleine in den beiden Profiligen des deutschen Fußballs sechsunddreißig Mannschaften.
Der Genitiv-Greis war übrigens früher ein Konjunktivritter. Konjunktivritter wären, gäbe es noch echte Ritter, echte Ritter.
Ich geh‘ jetzt ins Bett und nehm‘ vielleicht doch mal meine Medizin.
Peace Out!

Die Geschichte des Genitiv-Greis

Wenn man älter wird, ist das so eine Sache:
Damit meine ich nicht: Ich bin jetzt sehr alt. Eben älter. Weiser, vielleicht ein bisschen ruhiger.
Ich war auch mal jung. Ganz jung. Sprottenjung, sozusagen.
Als ich Dreizehn war, gab es in meiner Klasse so ein Mädchen. Nennen wir sie Manuela (ehrlich gesagt, ich glaube: Sie hieß wirklich Manuela, na wer glaubt schon an Datenschutz).
Ich fand Manuela toll. Super.
Oder wie ich das damals wohl ausgedrückt hätte: „konkret, krass und korrekt“
(Sollte jemandem diese Sprache aufstoßen … so haben wir damals eben geredet. Kommt‘ damit klar. Man fragt Shakespeare ja auch nicht warum er statt „mir egal“ lieber: „Die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden“ schrieb‘ … es war damals ja nicht so, dass man für frisches Papier zum nächsten McPaper rennen konnte.)
Wie gesagt: Manuela war die Wucht. Nur erzählt hab‘ ich ihr das nie.
Wie sollte ich auch: Zu der zeit war das nicht so einfach …

Manuela und ich hatten so gut wie nichts gemeinsam: Ich war ein kleiner, aufsässiger Junger, dessen Hauptbeschäftigung das Tauschen von Wrestling-Sammelkarten war. Meine Noten waren schlecht und der einzige Grund dafür, dass sie nicht noch schlechter wurden, war mein Hundeblick (Es gibt sogar Leute die sagen ich hätte mir diese Fähigkeit über all die Jahre bewahrt;).
Dazu kam, dass ich außer Wrestling, Comics, Basketball und Kartoffelpuffer (ja, es gibt eine Geschichte zum Kartoffelpuffer, aber die ist nicht für die breite Öffentlichkeit und sollte – zugunsten meines … Seelenfriedens – auch Verschlusssache bleiben.) eigentlich nichts mehr liebte als den Fernseher. Und das war dann auch schon alles. An Mädchen … wollte ich damals sowieso nicht denken. Die lasen alle nur Wendy-das Pferdemagazin und spielten in der großen Pause Springseil und Gummitwist.
Ich hab‘ das (Gummitwist) dann, aus Forschungsgründen, auch mal probiert: Konnte mir aber auch hinterher nicht erklären, warum man ein Spiel – das schon öde aussieht – spielt, bei dem das beste Ergebnis ist, dass sich niemand auf die Fresse packt. Tz.
Wie auch immer: Ich und Manuela, Manuela und ich.
Sie war also ein für mich uninteressantes Mädchen und wir hatten so überhaupt nichts gemeinsam.
Sie war gut in der Schule, machte die Hausaufgaben – ich nicht. Ich wusste genau wer am Samstag bei Wetten dass…? auf der Couch saß, sie kannte nicht mal Thomas Gottschalk (ein Segen, wie sich später raus stellen sollte.)
Sie trug eine Brille … ohne die sie auf dem Weg zur Schule verloren gewesen wäre. Meine Sehstärke war so gut, ich glaube Lehrer setzten mich extra in die letzte Reihe, nur um zu testen ob ich tatsächlich den Röntgenblick hätte. Es kann natürlich auch sein, dass ich in der letzten Reihe saß, weil sonst die anderen Lehrer gedacht hätten: In dieser Klasse schläft der Asche auch in der ersten Reihe.
Also, Manuela: halbblind. Ich: nicht.
Dazu kam: Manuela war eines jener Mädchen, die neben der fehlenden Prägung durchs Fernsehen (ihre Familie hatte keinen Fernseher) ein recht engagiertes Elternhaus hatte. Um es kurz zu machen: Sie war ein Naturfreak. Ein Waldliebhaber. Ohne Scheiß: Sie war ein echter Treehuger! Kein Witz.
Das bedeutete: Jeden Freitag kam sie mit einem überdimensionalen Feldrucksack in die Klasse, verstaute das Rambo-Überlebenspaket neben ihrem Pult und immer wenn jemand zu nah an diesem Monstrum vorbei ging, schepperte es gewaltig: Unten an dieser Ganzkörper-Survival-Ausrüstung hingen nämlich noch Töpfe und Pfannen in mindestens vier verschiedenen Größen.
Nach der Schule wurde Manuela dann von ihren Eltern zu Fuß abgeholt und es ging ab ins Niendorfer- Gehege.
Zur Erklärung: Das Niendorfer-Gehege ist eines jener letzten Überbleibsel Natur, die am Stadtrand von Hamburg so häufig vorkommen, dass man, wenn man will, nur einen Stein werfen braucht und immer die richtigen Naturfreunde trifft. Außerdem ist es nicht gerade so, dass im Niendorfer-Gehege Braunbären und Wölfe umher schleichen. An allen vier Ecken des drei-mal-drei Kilometer „Reservats“ gibt es ein MacDonalds und wer hier campt, der schlägt bestenfalls sein Zelt in drei verschiedenen Hundehaufen auf.
Aber, so waren sie, die Zeiten damals: Manuela ging Freitagsmittags mit ihren Eltern in den Wald.
Meine Eltern, by the way, hätten mich nicht mal zu Fuß von der Bushaltestelle abgeholt, an der ich Freitagsnachmittags ankam. Entweder sie hätten auf die Frage hin gelacht oder wären mit unserem Passat angerollt. Naja … wäre ja auch nicht schade drum gewesen: Wir hatten ja auch keine drei farblich abgestimmten Feldrucksäcke, mit Töpfen, Pfannen, verchromten Thermokannen und noch nie gebrauchten Bowie-Messern dran. Somit hätte ein Abholen zu Fuß von der Schule nicht halb so imposant ausgesehen. (Ja, war schon beeindruckend wie Manuelas Vater im karierten Holzfällerhemd vor den Toren des Albrecht-Thaer-Gymnasiums in Hamburg, Stellingen wartete und dabei ums Schienbein einen Gaskocher geschnallt hatte.)
Kurzum: Meine Eltern waren nicht wie Manuelas Eltern … und ich fand das gut so.
Trotzdem … und jetzt kommt der eigentliche Punkt (endlich!) … von all den Dingen in Hamburg die ich hätte vermissen können, brach es sich am Ende auf Manuela herunter.
Ganz ehrlich. So war es. Und ich hätte das als Allerletzter erwartet:
Als meine Eltern sagten: Junge … wir ziehen weg. Da hab‘ ich nicht gedacht … hu, scheiße, kann ich also nicht mehr Wrestling-Karten mit Goran tauschen. Oder: Hu, scheiße, was wird aus der Freundschaft zu Hannes und Christoph? (Okay … „hu“ hätte ich sowieso nicht gedacht … aber man bekommt nen Eindruck!)
Nein. Einzig und allein fiel mir Manuela ein.
Manuela, mit der ich seit zweieinhalb Jahren jeden Morgen im Bus zur Schule saß.
Manuela, die ich schon tausend Mal wegen des freitäglichen Feldrucksacks gehänselt und drei Mal deswegen schon zum weinen gebracht hatte – man denkt immer die fiesen Kinder achten nicht auf ihre Gemeinheiten … ich führte sogar Buch.
Ja. Ich würde Manuela vermissen. Und damit musste ich jetzt umgehen.

Zum Abschied gab ich im Keller des Hauses meiner Eltern eine Party. Fast die ganze Klasse kam. Svenja, das übergroße, blonde Reitermädchen, die nicht nur Wendy las, sondern sogar ein eigenes Pferd mit dem gleichen Namen hatte, kam, stellte ihre Reiterstiefel neben der Kellertreppe ab und umarmte mich zur Begrüßung. (Ein Therapeut meinte neulich, dass ich wegen dieser Begegnung jedes Mal, wenn mich blonde Frauen umarmen … den leichten Geruch von Pferdedung in der Nase hab‘ – – – nur Spaß!)
Wer kam noch? Deborah, die Tochter einer französischen Buchhändlerin und eines deutschen Versicherungsangestellten, mit der ich vor zwei Monaten auf Hannes Geburtstagsparty „eng“ getanzt hatte. Sie gab mir einen Kuss auf die Wange und fragte, mit hochrotem Kopf, ob wir später vielleicht wieder tanzen würden. Ich glaub nicht das ich geantwortet hab‘, sondern wohl eher starr genickt und dann – cool vor meinen Freunden – mir den Kuss von der Wange wischte.
Bengt, der blasse Brillenträger kam zusammen mit Moritz, dem Lockenkopf. Ich hatte mich mal über Bengt lustig gemacht, weil er in einem Jahr Klassensprecher war (es gab keinen Gegenkandidaten) und im nächsten Jahr jeden Tag die Tafel putzte. Damals schrieb ich „Vom Klassensprecher zur Putzkraft. Eine Karriere am Albrecht-Thaer. Erzählt von Bengt“ mit bunter Kreide an die frisch gewischte Tafel. Dabei drückte ich so doll auf, dass man meinen blöden Spruch noch Wochen und viele Wischgänge später lesen konnte. (Es war ungemein witzig … heute schäme ich mich dafür;)
Moritz hingegen bekam nur den netten Beinamen: Jimmy Hartwig (und wer sich an den Fußballer erinnert ist wirklich alt!)
Bengt und Moritz kamen also auch. Wir begrüßten uns mit Handschlag, ein kurzes Schulterklopfen und ein warmer Blick. Es war fast so als wären wir gut befreundet.
Ja und dann kam Manuela. Eine Begrüßung war nicht drin … wahrscheinlich war ich zu nervös.
Richtig unterhalten haben wir uns auch nicht.
Und bei all der Aufregung und dem Abschiedsbrumborium im Keller kann ich mich auch nurnoch daran erinnern, dass wir eine ganze Zeit nebeneinander auf zwei Klappstühlen saßen und ich irgendwas über meine neue Heimat erzählt habe. Irgendwas, vonwegen: In der Nähe von Fulda ist dieses Atomkraftwerk … wenn das hochgeht, dann dauert es nur ein paar Stunden und der Fallout erreicht die Stadtgrenze … ja, irgendwas in die Richtung. Ich war also eloquent wie immer.
Und dann: Dann stand sie auf und ich stand auf und tanzten.
Jetzt nicht so: An einer Hand nehmen, Rock’n’Roll reinwerfen und die Beine in die Luft schmeißen – tanzen. Nein. Wir tanzten. So wie man in der Zeit eben tanzte. Eng und zu Joshua Kadison.
Und ich tanzte an diesem Abend nur mit ihr.
Ein paar Tage später half ich meinem Vater dabei ein paar Sachen im neuen Haus in Hessen umzuräumen und dabei entdeckte ich die beiden Klappstühle. Einer in rot und einer in gelb. Aus Hartplastik.
Die stehen wohl immer noch im Keller meiner Eltern.

[Ach, ja: Warum Genitiv-Greis … da kommen wir noch zu …]

How I didn’t meet your mother …

Okay, okay, okay – Where to start?

Es ist Frühling. Endlich. Ist das zu fassen?
Ein paar Sonnenstrahlen und alle Welt tanzt auf den Straßen.
Ein paar Tautropfen auf rosig (haha!) grünen Blättern, die milden Schleier von Gestern lüften sich und schon ist der Winter vergessen. Es ist zum aus der Haut fahren.
Alle lächeln, liegen sich in den Armen und knutschen wie wilde Paviane herum. Irggh …
Nein, nein, nein … ich hasse keine Pärchen. Ich bin einfach nur eifersüchtig. Ein kleines bisschen, vielleicht. Nur GAAAANZ wenig.
Aber bei all der Frühlingseuphorie kommt es mir ganz so vor, als wäre der Frühling sowas wie die neueste Modedroge. So wie Schlaghosen … oder LSD (kein guter Vergleich) … oder Ecstasy (oder doch?).
Und wie bei jeder Modedroge, so wie es bei den Schlaghosen, bei den Schlüsselbändern und auch bei Selbstbräuner war, genauso hat dem dummen Floris wieder niemand bescheid gesagt. Ich komme immer später erst drauf und dann … dann verläuft sich entweder alles oder ich falle auf wie ein bunter Hund und trage aus Scham die blöden vier superteuren Levis-Schlaghosen (die ganz weit Hinten im Schrank liegen) immernoch nicht.
Und so ist der Frühling zu mir: Er ist wie LSD und Ecstasy.
Und ich, ich bin inmitten einer Horde von Ravern, die eine Lokalrunde von diesen wunderbaren, kleinen, weißen und grünen und roten und blauen Pillen geschmissen haben und jetzt total darauf abgehen. So ist der Frühling, so sind Frühlingsgefühle.
Nur hat wieder keine an die Pille für Floris gedacht. (Ach, ich heule rum. Mir doch egal. Dafür sind Blogs doch da!)
Egal was ich mache, kein LSD, keine Pillen mehr für Floris da. Und ganz alleine im stillen Kämmerlein an UHU schnüffeln ist doch auch blöd.
Ich will doch nichts Unmögliches.
Nur eine … kleine, nette Pille auch für mich. Hm? Aber damit kann der Frühlings-Dealer nicht dienen.
Es muss ja keine große, keine durchtrainierte H&M-Model-Pille sein … mir reicht eine kleine, nette, süße Pille. Eine Pille mit dunklen Haaren vielleicht, oder blond. Mir egal. Also, damit meine ich nicht egal-egal, einfach … egal. Es macht mir nichts, ich mag auch schwarzhaarige Pillen. Vielleicht hat sie große Brüste, muss aber nicht. Vielleicht auch kleine Brüste, auch recht. Vielleicht hat meine Pille Sommersprossen, oder sie fährt gerne Einrad. Ganz egal.
Vielleicht mag meine Pille den Zoo, oder sie hasst Knut. (Ja, das fände ich gut!)
Mir gleich … ganz egal.
Kann aber auch an mir liegen, dass ich keine Pillen abkriege.
Wie ich unlängst schmerzlich feststellte, mag ich es aufgeräumt.
Ja … wer hätte das gedacht. Noch vor ein paar Jahren beschwerte sich meine Mutter über mein Zimmer, dann waren es die Mitbewohner die wegen der Spülblume an meine Tür klopften (alberne Spülblume – total schwul sowas, oder?) und jetzt … jetzt mag ich es aufgeräumt.
Sogar wenn Freunde zu Besuch sind: Ich kann nicht warten bis sie weg sind, ich räum‘ die Bierflaschen sozusagen kaum ausgetrunken aus ihrer Hand … orgh!!!! wie mich das jetzt aufregt … man sollte viel unaufgeräumter sein, aber ich bin es nicht. Ich mag es gerne aufgeräumt:
Ich mag leere Parkdecks, nicht diese vollgeparkten Samstagvormittage, wenn man sehnlichst darauf wartet das ein dürrer Student seinen Cinquecento aus einer viel zu kleinen Parklücke quält, nur um dann festzustellen: Scheiße, zu klein und doch weiter nach einem geeigneten Stellplatz zu suchen.
Ich mag die leeren, die einsamen und verlassenen Wiesen im Park. Die, die mit grünem Gras und so, die ganz verlassen irgendwo auf einer versteckten Lichtung zu finden sind. Die, die nicht vor lärmenden Kindern und kiffenden Idioten strotzen. Leere Wiesen, ohne grillende Großfamilien und Fahrradfahrer, die angestrengt beweisen müssen: Auf Gras kann man mit einem Rennrad nicht fahren … auch wenn man aus Kreuzberg kommt nicht! (und in mehr als einer Beziehung)
Ich mag leere Supermärkte um kurz nach Neun, die länger aufhaben, damit Typen wie ich nicht mit alleinerziehenden Müttern und ihrem Balg in einer Schlange auf die neugelernte ‚Susi‘ an Kasse Zwei warten müssen, die natürlich unbedingt um kurz vor Acht – Ladenschluss – eingesetzt werden muss, damit schließlich der Filialleiter kommen muss und ich doch noch die zwei Brötchen mit EC-Karte zahlen kann.
Ich mag es jetzt eben sauber, leer, aufgeräumt und absolut alleine.

Vielleicht nicht unbedingt der perfekte Start für eine gesunde Beziehung und keine Voraussetzung für mich und meine Pillen doch noch zueinander zu finden, aber was soll’s: Was sind schon gesunde Beziehungen? Und wer will solche gesunden Beziehungen überhaupt?
Die sogenannten ‚gesunden‘ Beziehungen sehen doch auch nur auf den ersten Blick gesund aus:
Nehmen wir IHN, der Jura studiert und erst um kurz nach Acht hinter seinen Büchern hervorkommt. Jaaaa – ER wohnt mit IHR zusammen, aber SIE kommt erst nach Neun von IHRER Yoga oder Thai-Chi (oder Wasser-Aerobic oder whatever!) zurück. Gerade rechtzeitig versammeln sich dann die beiden LIEBENDEN vor Stefan Raab vor dem Fernseher (zu mehr reicht es an einem Wochentag dann doch nicht – das letzte Buch hat SIE sowieso letzten Urlaub vor drei Jahren gelesen: „Moppel-Ich“ … hm! Genau … ihr wisst bescheid! – ER hat damals übrigens Dan Brown probiert. Hat IHM nicht gefallen. Nach zehn Seiten war Schluss und ER hat dann doch lieber geschlafen – zwei Wochen im Strandkorb!) … ehm … also Stefan Raab!
Beide sitzen vor dem Fernseher, SIE schläft dabei fast ein und schlussendlich wird bis kurz vor Zwölf noch mal eben rumgemacht (SIE muss ja morgen wieder früh raus und ER noch was lernen. Pah!). ER kommt übrigens nur jeden zweiten Wochentag – dafür hat er die alten Playboy-Ausgaben aus Jugendtagen wieder reaktiviert – und SIE … SIE denkt dabei eigentlich nur an ihren Yoga-Lehrer Ravi Shankar (oder Kai-Uwe … oder wie auch immer), der seine Yoga-Stunden in einer halbdurchsichtigen Leinenhose gibt und dazu – aus religiöser Überzeugung (Tz!) – keine Unterwäsche trägt. – Truth is: SIE kommt jeden Abend!
Ahja!
Und dann am Wochenende (Wir sind immernoch bei unserem Musterpärchen) laden ER und SIE sich dann ein befreundetes ebenfalls ‚gesundes‘ Pärchen ein … man sitzt bei Jamie-Oliver-nachgekocht-versaut-trotzdem-geschmeckt-Gerichten und lustigen Gesprächen über die GMX-News, Paris Hilton und natürlich Kultur zusammen, wie zum Beispiel so:

ER: Ich hab‘ Karten für Cats.
GAST(gelangweilt): Echt. Toll.
GÄSTIN (weibl. für Gast): Ist doch super, mal wieder Kultur.
GAST: Maus, es ist nur Cats.
SIE: Deswegen hab ich ihm ja gesagt, er soll die Karten zu holen. Wir fanden doch Tanz der Vampire so toll.
ER: Wir?
GAST: Und dann holst du noch Karten?
ER: Mir bleiben noch zwei Wochen die Karten wieder zu verlegen.
SIE: Wie das letzte Mal. Miss Saigon. Ich hab‘ zwei Wochen kein Wort mit ihm gesprochen.
GÄSTIN: Wirklich.
ER: Ein Traum.
SIE: Er macht nur Spaß.
GÄSTIN: Macht meiner auch immer.
ER: Ich geh‘ dann mal ins Bad, spüle die Karten im Klo runter und ertränke mich im Waschbecken.
GAST: Ja, bitte. Lass das Wasser drin. Ich bin nach dir dran.

… und so weiter und so fort.
Ich gebe zu: Der letzte Teil ist etwas aus dem Ruder gelaufen … aber man bekommt einen Eindruck.
Soviel zu gesunden Beziehungen, da bleibe ich doch lieber aufgeräumt. Trotzdem würde ich gerne ne nette Pille finden. Vielleicht eine ungesunde Pille. Ja … das wäre cool. Eine ungesunde, schmutzige, dreckige, geile Pille … eine, mit der man … aber das ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher.
Also: Man liest sich!

In your Face …

Achtung, Achtung. Vierzig Minuten sind gespielt, der Höhepunkt des Tages ist erreicht. Alles wartet auf … ja: Das abschließende Voice-Over.
Zur Erklärung: Voice-Over wird gemeinhin als allerletztes Mittel einer Fernsehserie bezeichnet, um auch wirklich allen Zuschauern noch einmal die dünne bis sehr dünne Quintessenz der jeweiligen Folge näher zu bringen. Sozusagen eine dramaturgische Atombombe: Hinterher steht garantiert nichts mehr. Jede fragile Struktur eines Handlungsbogens wird ebenso wie der angestrengte Versuch einer „realistischen“ Charakterentwicklung ausgelöscht und dem Erdboden gleich gemacht.
Schlussendlich bleibt nur eines: Die leicht nachhallende Stimme des Hauptprotagonisten mit solch fundamentalen Weisheiten wie „und am Ende erklärte sie uns was sie eigentlich damit meinte und wir sahen sie von nun an mit anderen Augen“ … gibt es schönere Scheiße?
Immer noch nicht klar was ein Voice-Over ist?
Ein kurzes Beispiel:
Nehmen wir eine beliebige Krankenhausserie. Nennen wir sie … ähm … Rachels Urologie … ja, klingt nach einem Gassenhauer! Okay, also Folge Sechzehn der ersten Staffel. Der Titel der Episode lautet „Letzter Wille“!
Rachel hat zu beginn der Folge einen neuen Patienten bekommen. Nennen wir ihn Steve. Steve hat Lungenkrebs im Endstadium. Da gibt es nicht viel zu machen, außer: … und hier setzt das dramatische Element ein! … Steve ist gerade einmal siebzehn Jahre alt … noch Jungfrau und hat noch nie auch nur ein Mädchen geküsst. Die durchaus reizend aussehende Rachel, ihre leicht promiskuitive, beste Freundin Maggie und ihr tölpelhafter Mitbewohner Ryan fahren also mit Steve nach Las Vegas. (Ach ja, damit die Reisekosten nicht in die Millionen gehen: Rachels Urologie spielt natürlich in Californien … da Los Angeles zu ausgelutscht ist, hat man sich für den feinen Vorort Santa Barbara entschieden … ach, und nochwas: Wem auffällt das eine Urologin wie Rachel kaum Lungenkrebspatienten wie Steve bekommt, dem wird in den ersten dreißig Seriensekunden und im Eröffnungs-Voice-Over damit geholfen, dass Chefarzt Nigel, in den Rachel natürlich insgeheim verliebt ist, Rachel den Patienten sozusagen ‚übergibt‘ … warum? Weil Nigel – und das ist unser Nebenplot der Folge „Letzter Wille“ – zur Beerdigung seines Onkels muss!) Wo waren wir? Ach ja, Las Vegas: Erster Außendreh der ersten Staffel. Die Einschaltquoten sind gut, jetzt geben wir Geld aus!
Während also Nigel nach Ohio … alle sterbenden Serienonkel leben in Ohio … unterwegs ist, fahren Rachel, Freundin Maggie und Mitbewohner Ryan (der irgendwie seit Folge Eins ziemlich schwul wirkt … trotzdem aber schon drei unglaublich schöne Frauen in Folge 4, 6 und 9 hatte!!!) sowie natürlich der todkranke Steve … für den man ja nichts mehr machen kann … und der, der Einfachheit halber, seine Eltern vor zwei Jahren bei einem Verkehrsunfall verloren hat (die würden sonst Stress machen) … dieses Quartett der amerikanischen Serienheiligkeit fährt also nach Las Vegas. Dort angekommen, begibt sich Maggie erstmal mit ihrem Monatsgehalt ins Casino, Mitbewohner Ryan und Lungekrebsopfer Steve wollen zusammen in einen Stripclub und Rachel … ja, Rachel gerät an einen jungen Mann vom Valet-Parking der sie nur allzu gut von Nigel – der ja in Ohio ist – ablenkt. Soviel Aufbau, fünfundzwanzig Minuten sind rum, kommen wir zum extrem in die Länge gezogenen Schlusspunkt:
Was ist wichtig für den weiteren Verlauf der Serie?
Nigel wird bei der Testamentseröffnung seines Onkels aus Ohio eine hübsche Praxis in … Ohio! … überschrieben und er überlegt sich tatsächlich ob er nicht nach Ohio! gehen soll um seinem Traum als Kinderarzt! endgültig nachzukommen.
Maggie verliert all ihr Geld … und noch mehr beim Roulette: Weswegen sie in Folge Siebzehn bei Rachel einziehen muss, was im weiteren Verlauf zu allerlei Chaos und lustigen Wohngemeinschafts-Witzigkeiten führt. Und Ryan und Steven?
Ja … Ryan und Steven wollen zuerst eine Prostituierte für Steven auftun … natürlich wehrt sich Steven dann doch gegen gekauften Sex … immerhin ist er das moralische Opferlamm im Serienschlachthof … da kann er keine Liebe per Barscheck annehmen … also muss Ryan alleine ran … und weil der halb-schwul-Mitbewohner als hübscher Draufgänger angelegt ist, bekommt man eine dreißig Sekunden Vorspiel-Sex-Musik-Einlage Marke Baywatch zu sehen und auch die männlichen Zuschauer sind zufrieden.
Rachel sitzt derweil mit ihrem Valet-Parking-Boy (der unglaubliche Ähnlichkeit mit Luke Perry hat!!!) im Restaurant und sieht dann Steve vorbeilaufen … Nein, jetzt passiert nicht was man denkt! Rachel soll emotional auch noch für ein paar mehr Folgen glaubhaft sein, also bringt sie Steve nur ins Hotel und lässt ihn dann dort Essen aufs Zimmer bestellen.
Jetzt kommt das Happy-End … Steve bekommt das Essen von einer jungen Kellnerin (die er natürlich schon bei der Ankunft in der Lobby gesehen hat und die ihm zuzwinkerte … !natürlich!) serviert und sie bleibt bei ihm auf dem Zimmer … nein, kein Sex … aber der benötigte Kuss!
Das ganze läuft ungefähr so ab:
Klopf, Klopf. „Herein.“ „Hi. Ich bringe das Essen.“ „Hm … danke.“ Verschmitztes Lächeln. „Schönes Zimmer. Wo ist deine Freundin?“ „Welche Freundin?“ „Na, das Mädchen mit dem du in der Lobby angekommen bist.“ „Oh … äh, nein … die ist nicht meine Freundin … ähm … meine … Schwester.“ „Cool.“ Verschmitztes Lächeln von ihr … Übergang mit Musik.
(Wenn einem nichts mehr einfällt: Übergang mit Musik. Und da soll noch einer glauben Steven hatte noch keinen Kuss … er sieht zwar elend aus, aber so scheiße nun auch wieder nicht.)
Rachel findet übrigens den Valet-Parking-Boy nicht wieder … sondern telefoniert an einer Telefonzelle, die natürlich formschön am Las Vegas Boulevard steht (mit großartiger Lichterkulisse im Hintergrund!), mit Nigel in Ohio und weint ganz bitterlich weil er nun vielleicht … vielleicht auch nicht … nach Ohio zieht!
Ja … und nun zum Voice-Over: (Wie? Man hätte die ganze Vorrede mit der Serie nicht gebraucht?)
Generell ist zu sagen, dass Voice-Over mit einem ‚Manchmal‘ oder einem ‚Meistens‘ anfangen … es kann auch ein beschwingtes ‚Die Dinge die uns…‘ oder ein ‚Oftmals ist es so…‘ sein.
Diesmal hört sich das Abschluss- Voice-Over von Rachel, die natürlich schon das Eingangs- Voice-Over gesprochen hat, ungefähr so an:
„Manchmal passieren in einer Nacht so viele Dinge, dass man am nächsten Morgen gar nicht mehr genau weiß was davon ein Traum und was davon Wirklichkeit war. Es passieren schreckliche und beängstigende Dinge, und es passieren abgefahrene und einfach wunderschöne Dinge.“
Während dieser ersten Sätze des Abschluss- Voice-Overs sehen wir eine Montage unserer Helden, unterlegt mit Gitarrenmusik und einer säuselnden Südstaaten-Pop-Newcomerin. Wir sehen, bei ’schrecklich‘ und ‚beängstigend‘, zuerst Maggie die heulend in einem Hotelflur sitzt und sich den zerflossenen Lidschatten über die Wangen wischt, anschließend sehen wir Rachel, die ganz alleine, traurig und versonnen vor einem Wasserbassin mit Springbrunnen steht (genau jenes Wasserbassin mit Springbrunnen, welches wir noch aus Ocean 11 kennen!). Zu den Stichworten ‚abgefahren‘ und ‚wunderschön‘ sehen wir zuerst einen grinsenden Ryan umschlungen von zwei unbekleideten Mädels, nur mit Zipfeln aus Satin verhüllt, und wir sehen Steve: Steve unser stetig blasser (warum sind todkranke Amerikaner eigentlich immer blass? Die können doch theoretisch auch ins Sonnenstudio gehen…) … und traurig dreinschauender Lungenkrebspatient, wie er lächelnd und zufrieden – absolut kreusch und angezogen natürlich! – neben der Kellnerin einschläft.
Die letzten Sätze von Rachel im Voice-Over werden gesprochen, während die Musik schon leicht im Hintergrund verklingt und sie und Ryan über den morgendlichen Hotelflur laufen. Er erzählt ihr lachend seine Geschichte und sie schaut nur melancholisch ins Leere. Sie sammeln die verheulte Maggie ein und treten vor ihre Zimmertür:
„Eines ist aber sicher: Egal was in einer solchen Nacht auch passiert sein mag, danach folgt immer ein neuer Morgen.“
Plötzlich hören Rachel, Maggie und Ryan einen Schrei aus ihrem Zimmer. Schnell schließen sie auf und stürmen ins Zimmer.
„Vielleicht ein neuer Morgen mit Überraschungen … aber auf jeden Fall ein neuer Morgen.“
Im Zimmer finden sie die junge Kellnerin, die gerade neben einem toten Steve aufgewacht ist. Sie ist in Panik, schützend legt Ryan seinen Arm um sie. Maggie ruft einen Krankenwagen.
Rachel tritt ans Bett und sieht sich – den noch blasseren und erkalteten – Steve an.
Merkwürdig: Er scheint zu lächeln.
Rachel legt den Kopf schief.
„Allerdings: Nicht alle erleben diesen neuen Morgen. Nicht alle …“
Abblende.

wenn mal alles beschissen-scheisse ist!

so, jetzt mal zum allgemeinen missfallen:
ich finde nicht alles so ’supi’ oder ‘total toll’ wie alle anderen.
ich finde es schieße, und ich finde das muss auch mal gesagt werden.
die ganze welt regt sich über runtergespültes toilettenpapier in den weltmeeren auf und trotzdem reden dauernd alle nur davon wie ’supi’ und ‘geil’ doch ihr leben ist.
nehmen wir nur mal die idioten die diese scheisse von mtv produzieren.
my sweet sixteen … was für ein schrott. alles nur ‘die geilste party ever’ und dabei machen die sich nicht mal die mühe die untertitel komplett zu übersetzen, sondern setzen lieber unsere gute, deutsche sprache einer vergewaltigung durch kleinkind-englisch aus.
und was diese ganzen idioten-kinder ‘geil’ und ’super’ finden: das sie sechszehn werden … (hat denen keiner die linearität von zeit beigebracht? – es passiert, verdammte zucht … da hilft auch kein irak-krieg gegen!) … und das sie rosa-einladungen verschicken … rosa-einladungen zu ihrer verschissenen sweet-sixteen … also süßen-sechszehn-feiern … dabei sind die meisten von denen weder süß noch sechszehn … die sehen aus wie vierzig und fett & ranzig wie achtzig … und was bitte ist so toll an rosa-einladungen? es ist nur rosa … nur rosa. es ist eine farbe (und keine besonders innovative farbe … wenn es wenigstens brokat oder scharlach wäre, aber nein … verkacktes rosa) … eine einfache farbe: rosa! himmel-arsch-und-zwirn … ich gedenke einen ‘rosa ist scheisse’ – club aufzumachen, nur wegen diesen blöden ami-schlampen … dabei würde ihnen das eine macht über mich geben, die ich eigentlich nicht zulassen will. aber nicht nur dies ist scheisse … vieles in diesen tagen ist scheisse … ich will nicht am freitag um 17h in einem büro sitzen … ich will hitzefrei und ne molle in der hand … ich will endlich mal ferien …
außerdem will ich das thomas doll mit dem bvb meister wird, damit die säcke in hamburg begreifen: ohne doll wird’s nicht doller. (okay, der war lahm! – ha, wo wir gerade bei lahm sind: wer hat eigentlich den kleinen philipp in die nationalelf geholt? der kann doch nichts, die pottsau … ein tor während der wm … und ansonsten wurde der mitgeschleppt wie hiv aus der dritten welt (okay, der war noch schlechter!) … )
nein, nein, nein! es ist nicht alles geil, nicht alles super und bestimmt nicht alles toll.
soviel musste mal gesagt werden.
ansonsten bin ich natürlich ganz froh über den momentanen tabellenstand vom hsv und von mainz 05, freue mich über die beruflichen perspektiven von thomas doll und hoffe auf weiterhin gutes frühlingswetter in deutschland. danke sehr.

Aller Anfang …

… soll ja schwer sein.
Dank eines pfiffigen jungen Informatikers aus München können wir das streichen.
Nun hab‘ ich sie tatsächlich: Die Möglichkeit die ganze Netzwelt mit meinem Käse vollzutexten.
Herzlich Willkommen und viel Spaß bei …
… Floris blogt.