like a real good girl

Wenn ich mich an sie erinnere, dann verschwimmt für einen Moment das Bild. Wie in einer Traumsequenz aus dem Fernsehen. Für einen kurzen Blur (seit wann benutzt man solche Worte überhaupt?) verwischt alles, dann taucht sie auf. In Kunstnebel stehend, neben einem Whirlpool, alles geschmückt mit Kerzen. Dabei hatte ich nie einen Whirlpool und sie auch nicht. Aber in meiner Erinnerung trägt sie einen geklauten Bademantel aus dem Hilton in Aspen (und ich weiß nicht mal ob es da ein Hilton gibt). Langsam streift sie ihn ab, je nach Tageszeit trägt sie nichts oder kaum was. Dann haucht sie meinen Namen. In Echt hat sie ihn zuletzt nur noch geschrieen. Es war kaum auszuhalten. Dein Zeug liegt im Weg rum. Warst du immer schon so unordentlich? Pass doch auf, du reißt mir noch die Knöpfe von der Bluse! Das kriegt man also für einen zaghaften Versuch von Romantik. Nein. Nicht mit mir. Und dann hat sie es beendet. Einfach so. Nicht mal diskutiert haben wir. Ich hab’ meine Sporttasche gepackt, die Socken vergessen, und weil es ein Samstagabend war, musste ich den ganzen Sonntag mit den Socken vom Vortag rumlaufen. Sie schien doch so perfekt. Ich dachte es wäre was für Immer. Und jetzt? Jetzt scheint sie wieder perfekt. In meiner Vorstellung.
Als ich sie das erste Mal sah, spielte ein Coldplay-Song im Radio. Es war bei H&M. Sie stand da einfach so an einem Kleiderständer, drehte durch die Pullover und suchte sich langsam durch 100%-Baumwolle. Dann, als glaubt sie allein zu sein, popelte sie sich in der Nase. Ich wäre beinahe vor Lachen zusammengebrochen. Es war kein männliches, kein suchendes Popeln. Es war feingliedrig und schön. So wie eben nur wunderschöne Mädchen popeln können. Als ich mich beruhigt hatte, stand sie vor mir. Ihr schiefes Grinsen lag leicht auf und hätte auch zu einem Grummeln werden können. Ich entschuldigte mich und bat sie um ihre Telefonnummer. Sie stemmte ihr Hände in die Hüften und sah mich prüfend an, dann griff sie nach meiner Hand und zückte einen Kuli. Sekunde mal! Oder hab’ ich mir das nur eingebildet? War das bei H&M oder Peek & Cloppenburg? Hat sie gepopelt, oder? … es ist schwierig die Erinnerungen von den Phantasien zu trennen. Bei ihr fiel mir das nie leicht. Einmal wachte ich morgens auf und sie lag schnarchend neben mir. Ich war mir sicher, am Abend vorher über ihren Einzug bei mir gesprochen zu haben. Als sie aufwachte und ich fragte, ob wir uns dann auch einen neuen Kleiderschrank kaufen, lachte sie nur und meinte ich sei nicht ganz dicht. Sie würde ihre Wohnung auf jeden Fall behalten und niemals in meiner winzigen Höhle wohnen. Sie hätte Stil. Hatte sie. Ungelogen.
Unser erstes Date (wie man das ja so schön sagt) fand bei Pizza Hut statt. Am Telefon hatte ich wohl zu bedürftig geklungen, also wollte sie einen belebten Ort, an dem viele Menschen eventuell zu ihrer Rettung hätten herbei eilen können. Mich schreckte das nicht ab. Um cool zu sein, bestellte ich eine extra-scharfe Chilli-Peperoni-Pizza. Zwei Tage hat mein Magen an dem Blech verdaut. Aber sie war es wert. Im Grund war sie alles wert. Die Streitereien. Die beleidigten Seitensprünge die meistens noch vor meinen Augen anfingen… aber warum war sie es wert? Weil ich ein normalerweise ungelenker Freak bin? Wahrscheinlich.
Wir haben nur ein einziges Mal zusammen getanzt. Wobei „zusammen“ schon übertrieben ist. Sie hat getanzt und ich stand daneben und hab’ abwechselnd die Füße gehoben und mit den Armen Bewegungen gemacht, als wollte ich ein flatterndes Hühnchen imitieren. Schließlich beugte sie sich zu mir rüber und fragte: „Kannst du mir was zu trinken holen?“
Als ich wieder kam, tanzten vier Jungs um sie herum und ich musste die Bionade weiterreichen lassen. Ja. So war sie. Etwas Besonderes.
Zu meinem Geburtstag schenkte sie mir Gutscheine. Keine Gutscheine die man bei Media Markt oder Saturn einlösen kann. Es waren handgeschriebene, weiß-karierte Zettel mit solch tollen Inhalten wie: „Einmal mit mir duschen.“
Zuerst fand’ ich das ja ganz schön. Meistens musste ich warten bis sie mit dem Duschen fertig war, bis ich ins Bad konnte. Dann aber, als sich ein kleiner Stapel mit Gutscheinen angesammelt hatte und ich tatsächlich mal einen „Einmal Sex vor dem Frühstück“ einlösen wollte, drehte sie sich nur von mir weg und meinte ich solle es morgen noch mal probieren.
Jetzt wo es vorbei ist, hab’ ich mich auf einer Online-Dating-Seite angemeldet. Ich bin sogar schon ein paar Mal mit Mädels von dort ausgegangen. Aber die sind nichts für mich. Mit Einer war ich beim Chinesen und sie wollte mir allen Ernstes überlassen was für sie zu bestellen. Wer bin ich denn? Ihr Papa? Meine Ex-Freundin hat immer für sich alleine bestellt. Manchmal, wenn es schnell gehen musste und sie Hunger hatte, sogar für mich mit. Sie meinte dann, ich würde doch ohnehin immer die gleiche Pampe bestellen.
Sie war eben ein wirklich gutes Mädchen. Ich vermisse sie. Oh Gott, wie ich sie vermisse.
Hoffentlich ist Mutter bald mit dem Essen fertig. Vielleicht guck ich in der Küche mal nach wie lange es noch dauert …

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